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ICC-Profile in Klartext: Was RGB, CMYK, FOGRA39 und FOGRA51 eigentlich miteinander zu tun haben — und welches Profil dein Druck-PDF braucht

Stand: 10. Februar 20254 Min LesezeitWerkstatt-Wissen

Was drin steht

  • ICC-Profile sind die Übersetzungs-Tabelle zwischen Bildschirm-Farben (RGB) und Druck-Farben (CMYK) — sie sagen, wie ein „Rot“ am Bildschirm als „Rot“ im Druck aussehen soll.
  • Ohne Profil-Angabe rät jede Druckerei. Mit Profil-Angabe weiß die Druckerei genau, wie die Farben aufs Papier kommen sollen.
  • Die drei wichtigsten Profile für DACH-Druck: FOGRA39 (älter, viel Bestand), FOGRA51 (neuer Standard für gestrichenes Papier), FOGRA52 (für ungestrichenes Papier).
  • ISO Coated v2 ist nicht „besser“ als FOGRA — es ist die ältere Variante, die heute in modernen Druck-Workflows durch FOGRA51 abgelöst wird.
  • Wer Druckdaten anliefert, sollte das Output-Profil explizit im PDF angeben. Im X-4-Export ist das ein Pflicht-Feld.

ICC-Profile sind eines der Themen im Druck, vor denen viele Selbermacher zurückschrecken — weil es nach Technik-Tiefe klingt und niemand erklärt, warum man das wissen muss. Tatsächlich ist die Idee dahinter einfach: Wenn dein Bildschirm „Rot“ anzeigt und eine Druckerei „Rot“ druckt, müssen sich beide auf das gleiche Rot einigen. ICC-Profile sind die Übersetzungs-Tabelle, die diese Einigung möglich macht.

Wer Druck-Material gestaltet, ohne diese Übersetzung bewusst zu setzen, bekommt das Druck-Ergebnis, das viele kennen: „Sieht im Druck irgendwie anders aus als auf meinem Bildschirm.“ Das ist kein Druck-Fehler, das ist eine fehlende Übersetzungs-Anweisung.

Warum RGB und CMYK nicht das Gleiche sind

Dein Bildschirm zeigt Farben durch Lichtfarben: Rot, Grün, Blau (RGB). Drei Lichtquellen mischen sich, das menschliche Auge sieht das Mix-Ergebnis. Der RGB-Farbraum ist groß — er kann sehr leuchtende, intensive Farben darstellen, weil er mit Licht arbeitet.

Eine Druckerei druckt Farben mit Pigmenten auf Papier: Cyan, Magenta, Gelb, Schwarz (CMYK). Die Pigmente absorbieren bestimmte Licht-Wellenlängen und reflektieren andere. Der CMYK-Farbraum ist physikalisch kleiner als der RGB-Farbraum — bestimmte Leucht-Farben am Bildschirm lassen sich im Druck schlicht nicht erreichen, weil keine Mischung aus Cyan, Magenta, Gelb und Schwarz sie ergibt.

Konsequenz: Wer am Bildschirm in RGB gestaltet und einfach „ins CMYK konvertieren“ lässt, kann böse überrascht werden. Ein leuchtendes RGB-Türkis wird im Druck zu einem etwas matter wirkenden Türkis. Ein knalliges RGB-Orange wird zu einem leicht gedämpften Orange. Das ist nicht kaputt, sondern die normale Reduktion auf den kleineren CMYK-Farbraum.

ICC-Profile sind die Anleitung dafür, wie diese Reduktion ausgeführt werden soll. Verschiedene Profile reduzieren leicht unterschiedlich — und „verschiedene Profile“ heißen in der Praxis: verschiedene Papier-Sorten und Druck-Verfahren.

Die drei Profile, die du in DACH wirklich brauchst

FOGRA51 (PSO Coated v3) — für gestrichenes Papier

FOGRA51 ist der aktuelle Standard für gestrichenes Papier — also Papier mit glatter Oberfläche, das in Magazinen, Hochglanz-Flyern, Visitenkarten mit Mattlack oder Hochglanz-Folie zum Einsatz kommt. Eingeführt 2015, mittlerweile in 90 Prozent der professionellen Druckereien als Default.

FOGRA52 (PSO Uncoated v3) — für ungestrichenes Papier

FOGRA52 ist das Gegenstück für ungestrichenes Papier — Briefbögen auf Naturpapier, Recycling-Papier, hochwertige Visitenkarten auf strukturiertem Bütten-Papier. Ungestrichenes Papier saugt mehr Tinte, weshalb der Farbraum noch etwas enger ist als bei gestrichenem.

FOGRA39 — älter, viel Bestand

FOGRA39 (ISO Coated v2) ist der Vorgänger von FOGRA51, eingeführt 2007. Viele Druckereien arbeiten noch heute damit, weil die meisten existierenden Druckdaten dieses Profil tragen. Wer mit FOGRA39 anliefert, ist nicht „falsch“ — er liefert nur in der älteren Übersetzungs-Variante. Praktischer Hinweis: FOGRA39 und FOGRA51 unterscheiden sich nur in feinen Nuancen, der Unterschied ist mit bloßem Auge selten zu sehen.

Welches Profil wann

Faustregel: Du nimmst das Profil, das deine Druckerei vorgibt. Schau in den Daten-Anlieferungs-Hinweisen der Druckerei, da steht meist ein Profil-Name. Wenn nichts angegeben ist:

  • Visitenkarten, Flyer, Postkarten, Magazine → gestrichenes Papier → FOGRA51
  • Briefbögen, hochwertige Brief-Material auf Naturpapier → ungestrichen → FOGRA52
  • Wenn du nicht sicher bist und das Material in einem Bestand-Workflow läuft, der noch FOGRA39 nutzt → FOGRA39 (Druckerei nachfragen)
  • Zeitungs-Druck (Anzeigen-Material) → ISOnewspaper26v4 (eigenes Profil für Zeitungs-Papier mit hoher Saugfähigkeit)

Wo das Profil im PDF landet

Beim X-4-Export gibt es ein Pflicht-Feld „Output-Methode“ oder „Output Intent“. Hier wird das Profil eingetragen, für das das PDF gedacht ist. Beispiele:

  • InDesign: Im Export-Dialog unter „Ausgabe“ die Zielfarbraum-Konvertierung auf „Konvertierung in Zielprofil“ stellen, Zielprofil auf FOGRA51 (oder das passende Profil). Output-Methoden-Profil ebenfalls auf das gleiche Profil stellen.
  • Affinity Publisher: Im PDF-Export-Dialog unter „Erweitert“ den Bereich „Ausgabe“ öffnen, Output-Intent auf „PSO Coated v3 (FOGRA51)“ setzen.
  • Scribus: Im PDF-Export unter „Farbe“ den Ausgabezweck festlegen.

Wer das Output-Profil-Feld leer lässt, exportiert ein PDF ohne klare Farbintention. Die Druckerei muss raten — und das endet in Farbabweichungen.

Was passiert mit RGB-Bildern im X-4-PDF

X-4 erlaubt RGB-Bilder mit eingebettetem Profil. Praktisch heißt das: Wenn dein Foto im sRGB-Farbraum vorliegt und sRGB als Profil ins Bild eingebettet ist, kann das PDF das Bild im RGB-Farbraum mitführen. Die finale Konvertierung in CMYK findet dann in der Druckerei statt, anhand des im PDF angegebenen Output-Profils.

Die Premium-Praxis: Bilder vorab in CMYK konvertieren, mit dem Profil deiner Druckerei. Dann hast du die Farbumrechnung selbst kontrolliert und siehst am Bildschirm (Soft-Proof in deinem Bild-Werkzeug) ein realistischeres Ergebnis als bei der Druckerei-Konvertierung.

Konkret in einem professionellen Bild-Werkzeug: „Bild → Modus → CMYK-Farbe“, vorher unter „Bearbeiten → Profil zuweisen“ das Ziel-Profil setzen. Bei Affinity Photo: „Dokument → Farbprofil zuweisen → FOGRA51“. Bei Bild-Bearbeitungs-Programmen ohne Profil-Verwaltung lässt sich das nicht sauber abbilden.

Soft-Proof — der Trick gegen Farb-Überraschungen

Professionelle Bild- und Layout-Programme bieten einen „Soft-Proof“-Modus: Der Bildschirm simuliert, wie das Bild im gewählten Druck-Profil aussehen wird. Damit siehst du am Bildschirm schon vor dem Druck, was im Druck rauskommt — und kannst kritische Stellen anpassen.

Voraussetzung für aussagekräftigen Soft-Proof: Ein farbverwalteter Bildschirm und das ICC-Profil deiner Druckerei. Ohne kalibrierten Bildschirm ist Soft-Proof ein Annäherungs-Werkzeug, kein Verbindlichkeits-Werkzeug — er gibt einen Eindruck, nicht eine Garantie.

Was Hannes daraus macht

In unserer Druck-Pipeline ist das Output-Profil pro Vorlage festgelegt. Eine Visitenkarte auf gestrichenem Papier exportiert mit FOGRA51, ein Briefbogen auf Naturpapier mit FOGRA52. Hochgeladene Bilder werden im Hintergrund in den passenden CMYK-Farbraum konvertiert mit dem zugehörigen Profil. Wer eigenes Material anliefert, bekommt eine Profil-Empfehlung mit der Druckerei-Wahl ausgespielt.

Wer einen Soft-Proof an seinem eigenen Material durchführen will, kann uns die Bild- und Layout-Dateien zusenden. Wir prüfen das Profil-Setup und liefern eine Empfehlung zurück, ob das Material so druckfähig ist oder ob nachgearbeitet werden muss — kostenlos, weil es zum Premium-Druck-Standard dazugehört.

Häufige Fragen

Reicht es, am Bildschirm in RGB zu gestalten und im PDF-Export einfach CMYK zu wählen?
Es funktioniert, aber das Ergebnis hängt davon ab, welches CMYK-Profil das Programm beim Export verwendet. Wenn du nichts festlegst, nimmt das Programm meist einen Default (oft FOGRA51 oder FOGRA39 je nach Version). Premium-Pfad: Das Profil bewusst auswählen, nicht dem Default vertrauen. Sonst kann es passieren, dass dein Material in FOGRA51 exportiert wird, deine Druckerei aber mit FOGRA52-Workflow arbeitet.
Mein Bildschirm zeigt Farben anders als der Druck — was tun?
Drei Möglichkeiten. Erstens: Bildschirm farbverwalten (Kalibrierungs-Gerät vom Hersteller verwenden, der Bildschirm hat dann ein eigenes Profil, das die Anzeige-Genauigkeit verbessert). Zweitens: Soft-Proof in deinem Bild-Werkzeug aktivieren (Druck-Profil simulieren). Drittens: Mit einer Probedruck-Strecke leben — wenn du regelmäßig Druck-Aufträge auslöst, lohnt sich ein einmaliger Bildschirm-Kalibrierungs-Aufwand.
Was ist mit ISO Coated v2 — ist das ein FOGRA-Profil?
Ja. ISO Coated v2 ist der internationale Name für FOGRA39. Wenn dein Programm „ISO Coated v2 300 % (ECI)“ anbietet, ist das exakt FOGRA39 mit einer Tintendichte-Beschränkung von 300 Prozent. Manche Druckereien empfehlen explizit „ISO Coated v2 300 %“, weil die 300-Prozent-Beschränkung verhindert, dass die Druckerei zu viel Farbe auf einer Stelle anlegen muss (sonst wellt sich das Papier).
Welches Profil für ungestrichenes Naturpapier?
FOGRA52 (PSO Uncoated v3) ist der aktuelle Standard. Wer mit dem älteren PSO Uncoated arbeitet, ist nicht „falsch“ — das Ergebnis unterscheidet sich nur in feinen Nuancen. Premium-Praxis: Mit der Druckerei abklären, welches Profil sie als Default fährt, und das gleiche im Export einstellen.
Mein Smartphone-Foto ist im sRGB-Farbraum — kann ich das einfach in den Druck nehmen?
Ja, mit Einschränkungen. Smartphone-Fotos sind meist sRGB-Bilder mit eingebettetem Profil. Das X-4-PDF kann sie tragen, und die Druckerei konvertiert beim Drucken in den CMYK-Farbraum. Premium-Pfad: Das Bild vor dem Einbau ins Layout in den Ziel-CMYK-Farbraum konvertieren, dann hast du die Konvertierung selbst gemacht und siehst am Bildschirm das realistische Druck-Ergebnis. Wichtig: Auch nach der Konvertierung in CMYK wirken Smartphone-Fotos im Druck oft etwas blasser als am Bildschirm — das ist nicht behebbar, das ist die Realität des kleineren CMYK-Farbraums.
Sind Sonderfarben (Pantone, HKS) ICC-Profile?
Nein, Sonderfarben sind ein eigenes Konzept. Ein ICC-Profil beschreibt, wie ein CMYK-Druck-Vorgang ausgeführt wird. Eine Sonderfarbe ist eine vorgemischte Farbe (z.B. „Pantone 485“ als spezifisches Rot), die in einem separaten Druck-Vorgang aufgetragen wird — nicht aus CMYK gemischt, sondern als eigene Farbe. Beide Konzepte koexistieren: Ein Druck-Auftrag kann CMYK + ICC-Profil + ein oder zwei Sonderfarben enthalten.
Was, wenn ich das Profil falsch gewählt habe — wie merke ich das?
Die Druckerei merkt es im Preflight und meldet sich. Typische Befunde: „Output-Profil im PDF stimmt nicht mit Bestell-Material überein“ (z.B. FOGRA51-PDF bestellt auf ungestrichenes Papier — dort müsste FOGRA52 stehen). Manche Druckereien konvertieren stillschweigend in ihr eigenes Default-Profil — das Druck-Ergebnis kann dann minimal abweichen, ohne dass du es vorher gesehen hättest. Premium-Praxis: Profil bewusst setzen und mit Druckerei-Vorgabe abgleichen.

Das regeln wir — so sieht das bei uns aus.

Unsicher, wo deine Seite steht? Frag Hannes — er schaut sie sich an und sagt dir ehrlich, was zu holen ist.