BFSG / Barrierefreiheit

BFSG-Sanierung einer bestehenden Website: Was rauskommen muss, ohne neu zu bauen

Stand: 10. August 20255 Min Lesezeit

Was drin steht

  • Der Stichtag 28.06.2025 ist durch — wer noch nicht saniert hat, arbeitet jeden Tag mit einem Bußgeld-Risiko bis 100.000 Euro.
  • Du musst nicht neu bauen. § 1 BFSG sieht ausdrücklich „Anpassung bestehender Lösungen“ vor — in den meisten Fällen reichen drei bis fünf gezielte Eingriffe.
  • Die vier Säulen aus WCAG 2.1 AA: wahrnehmbar, bedienbar, verständlich, robust. Konkret messen wir Kontrast, Alt-Texte, Tastatur-Navigation, Formular-Labels, Heading-Outline, PDF-Tags.
  • Reihenfolge zählt: Erst Audit mit Befund, dann die fünf häufigsten Lücken in 1–3 Werktagen schließen, dann Redaktions-Routine für Bilder + PDFs aufsetzen.
  • Wer eine bestehende Site nachzieht statt neu zu bauen, spart die Hälfte der Kosten und behält SEO + Inhalte. Das ist meist der ehrlichste Weg.

Der Stichtag ist durch. 28. Juni 2025. Seit Wochen oder Monaten lebst du jetzt mit dem Wissen, dass deine Website rechtlich nicht ganz sauber ist — und mit der Frage, ob das jemand merkt. Oder ob du das einfach „später“ angehen kannst, wenn die Saison ruhiger wird.

Wir bekommen genau diese Frage mehrmals pro Woche. Mal nüchtern, mal panisch, mal mit dem leisen Unterton „ich hab gehört, da gibt es Abmahn-Welle“. Hier kommt die Antwort in Ruhe — und das, was wir tatsächlich machen, wenn eine bestehende Website BFSG-konform werden soll, ohne dass wir sie komplett neu bauen.

Die wichtigste Nachricht zuerst: Du musst nicht neu bauen

§ 1 BFSG sieht ausdrücklich vor, dass bestehende Lösungen angepasst werden können. Der Gesetzgeber wollte keine Welle von Komplett-Relaunches in Deutschland auslösen — er wollte, dass die Sites funktionieren. Das ist ein wichtiger Unterschied.

Wer dir sagt „deine Seite muss neu gebaut werden, sonst wird das nichts“ — der verkauft dir entweder ein Produkt, das du nicht brauchst, oder hat noch nie eine echte BFSG-Sanierung gemacht. In den meisten Mittelstands-Fällen reichen drei bis fünf gezielte Eingriffe, um auf den geforderten Stand zu kommen.

Die zwei Ausnahmen: Wenn deine Seite technisch so alt ist, dass sie nicht mehr wartbar ist (Flash, ungewartete CMS-Versionen, kaputte Templates), kann ein Neubau günstiger sein als zwanzig Pflaster. Und wenn du ohnehin in den nächsten zwölf Monaten relaunchen willst — dann sanier nicht zweimal, sondern bau gleich richtig.

Was die vier Säulen konkret heißen

Das BFSG zieht seine technischen Anforderungen aus der DIN EN 301 549, die wiederum auf WCAG 2.1 Level AA aufsetzt. WCAG strukturiert sich in vier Säulen. Hier in Klartext, was die für deine Website heißen:

Wahrnehmbar

Alle Inhalte müssen für Menschen mit Seh-, Hör- oder Wahrnehmungs-Einschränkungen aufnehmbar sein. Das heißt konkret:

  • Texte haben mindestens Kontrast 4,5:1 zum Hintergrund (3:1 für große Schrift ab 24 px),
  • Jedes inhaltsrelevante Bild trägt einen sinnvollen Alt-Text,
  • Videos haben Untertitel, Audio-Inhalte ein Transkript,
  • Farbe ist nie der einzige Informations-Träger (also kein „rote Felder = Pflicht“ ohne zusätzliches Symbol).

Bedienbar

Alles, was klickbar ist, muss auch ohne Maus erreichbar sein:

  • Tastatur-Navigation funktioniert für jedes Bedien-Element,
  • Der Fokus-Rahmen ist sichtbar (nicht per CSS unsichtbar gemacht),
  • Zeit-Limits sind verlängerbar oder abschaltbar,
  • Skip-Link „zum Hauptinhalt“ für Screenreader-Nutzer.

Verständlich

Die Sprache muss klar und vorhersehbar sein:

  • Seitensprache im <html lang="de">-Attribut gesetzt,
  • Formular-Fehlermeldungen erklären, was zu tun ist (nicht nur „Fehler“),
  • Navigation ist auf allen Seiten an derselben Stelle,
  • Wichtige Begriffe werden konsistent verwendet — nicht mal „Kontakt“, mal „Sprechstunde“.

Robust

Der Code muss sauber sein, damit Hilfstechnologien (Screenreader, Spracheingabe, Braille-Zeilen) ihn lesen können:

  • Valides HTML mit korrekt verschachtelten Elementen,
  • ARIA-Attribute korrekt eingesetzt — und nicht „dekorativ“ angeklebt,
  • Formulare nutzen native HTML-Elemente, nicht „klick-mich-divs“,
  • Bedien-Elemente haben einen name, role, value für Hilfstechnologien.

Die fünf häufigsten Lücken in bestehenden Mittelstands-Sites

Aus mehr als sechzig Audits in den letzten zwölf Monaten — die Reihenfolge ist nach Häufigkeit:

1. Hellgraue Schrift auf Cream-Hintergrund

Die Lieblings-Falle moderner „eleganter“ Designs. Hellgrau auf weiß sieht edel aus — und ist für 12 % der über-Fünfzigjährigen praktisch unlesbar. Wir messen jedes Mal mit dem WebAIM Contrast Checker. Ergebnis liegt fast immer zwischen 2,8 und 4,0 — gefordert sind 4,5. Die Reparatur ist meist ein einziger CSS-Wert.

2. Bilder ohne Alt-Text — oder mit „IMG_4521.jpg“ als Alt-Text

Inhaltsbilder ohne Beschreibung sind für Screenreader-Nutzer unsichtbar. Pure Deko-Bilder bekommen alt="" (leer, aber vorhanden — sonst liest der Screenreader die Dateinummer vor). Diese Arbeit ist Redaktion, nicht Programmierung — sie passiert im CMS-Backend, Bild für Bild.

3. Formulare mit Platzhalter statt Label

Das „moderne“ Muster: ein leeres Feld, im Hintergrund grau „Deine E-Mail“ — sobald du reinklickst, ist die Beschriftung weg. Wer dann einen Schritt zurückgeht oder das Feld verlässt, hat keine Ahnung mehr, was hier rein soll. BFSG verlangt sichtbare, persistente Labels — am besten oberhalb des Feldes.

4. Tab-Taste läuft ins Leere

Wer mit der Tab-Taste durch deine Seite springt, muss jedes Bedien-Element erreichen — und sehen können, wo der Fokus steht. Viele Designs entfernen den Standard-Fokus-Rahmen aus „Ästhetik-Gründen“. Das ist eine harte Lücke: Menschen mit motorischen Einschränkungen können deine Seite dann nicht bedienen.

5. PDF-Anhänge ohne Tagged-Struktur

Datenschutzerklärungen, Anfahrtspläne, Speisekarten, Preislisten — als PDF angehängt. Wenn diese PDFs nicht „tagged“ sind (PDF/UA-Standard), sind sie für Screenreader unzugänglich. Bei Bestands-PDFs hilft oft nur Neu-Export aus der Quelldatei mit korrekten Einstellungen. Wer die Quelldatei nicht mehr hat, kann mit Acrobat Pro Tags nachziehen — aber das ist Handarbeit.

Der Sanierungs-Ablauf in der Praxis

So machen wir das, wenn ein Mandant mit einer bestehenden Site zu uns kommt:

Schritt 1 — Befund

Wir prüfen die Seite gegen sechs Dimensionen (BFSG/WCAG, GEO, Performance, Privacy, Conversion, Sicherheit). Frag Hannes — er prüft sie kostenlos und liefert dir einen ehrlichen Befund. Wer es genauer will, bekommt einen tieferen Audit-Bericht als PDF mit konkreter Reparatur-Liste.

Schritt 2 — Festpreis nach Audit

Auf Basis des Befundes nennen wir einen Festpreis für die Sanierung. Keine Stunden-Sätze, keine „nach Aufwand“. Wir wissen aus Erfahrung, was die fünf häufigsten Lücken kosten — die kleinen Überraschungen rechnen wir vorher rein.

Schritt 3 — Reparatur in 1–3 Werktagen

Die meisten Eingriffe sind in 1–3 Werktagen erledigt. CSS-Werte für Kontraste, Fokus-Rahmen, Label-Markup, ARIA-Attribute, Skip-Link. Alt-Texte sind oft die zeitintensivste Position — die nehmen wir mit dir gemeinsam durch, weil du am besten weißt, was auf dem Bild zu sehen ist.

Schritt 4 — Redaktions-Routine

Damit das Problem nicht in sechs Monaten wieder da ist, richten wir dir eine kurze Checkliste im CMS ein: Bevor ein neues Bild oder ein neuer PDF-Anhang live geht, prüfen drei Felder Alt-Text, Beschreibung, Lesbarkeit. Das wird Teil deines Redaktions-Alltags — keine Zusatz-Arbeit pro Beitrag.

Schritt 5 — Erklärung zur Barrierefreiheit

Pflicht-Element seit BFSG: eine separate Seite „Erklärung zur Barrierefreiheit“, die offenlegt, was konform ist, was nicht, und einen Kontakt für Rückmeldungen nennt. Den Text liefern wir mit — du musst nur prüfen, ob die Selbstauskunft stimmt.

Was du SELBST tun kannst, bevor du jemanden ranlässt

Drei Schritte, die du in einer Stunde ohne uns hinkriegst:

  1. Tab-Test: Auf deiner Startseite mit der Tab-Taste durchspringen. Kannst du jedes Bedien-Element erreichen? Siehst du den Fokus immer? Wenn ja — eine Sorge weniger. Wenn nein — schreib auf, wo es klemmt.
  2. Kontrast-Stichprobe: WebAIM Contrast Checker öffnen, drei deiner Standard-Text-Farben gegen den Hintergrund prüfen. Werte unter 4,5 notieren.
  3. Alt-Text-Audit: CMS aufmachen, die letzten zehn Bilder anschauen, die du eingebaut hast. Wie oft ist „Bild 1.jpg“ oder gar nichts im Alt-Feld? Das ist deine Hausaufgabe für die nächste Woche.

Was Hannes daraus macht

Wir sanieren bestehende Sites mit Festpreis nach Audit — die meisten Fälle sind in 1–3 Werktagen erledigt, ohne Neubau. Bei jedem neuen Website-Projekt liefern wir BFSG-Konformität standardmäßig mit, nicht als Aufpreis. Den Audit-Bericht bekommst du als Premium-PDF, mit konkreter Reparatur-Liste statt nur Ampel-Status.

Wenn du wissen willst, wo deine Site steht: frag Hannes — er schaut sich deine Seite an und gibt dir den Befund. Wenn du danach reden willst, buch einen Termin — wir sagen ehrlich, ob Sanierung oder Neubau für dich der bessere Weg ist.

Häufige Fragen

Wie lange dauert eine typische BFSG-Sanierung von Befund bis Live-Schaltung?
Bei den fünf häufigsten Lücken: 1–3 Werktage Reparatur plus 1 Tag Test plus 1 Tag Erklärung-zur-Barrierefreiheit. Realistisch also eine Arbeits-Woche von der Auftrags-Erteilung bis live. Wer Bestand-PDFs nachziehen muss (alte Datenschutzerklärung, alte Anfahrt), kommt auf 2 Wochen — je nachdem, wie viele PDFs es sind.
Müssen wirklich ALLE Bilder einen Alt-Text bekommen, auch reine Deko?
Nein — reine Deko-Bilder bekommen alt="" (leerer Alt-Text). Das ist wichtig: Wenn das Attribut ganz fehlt, lesen Screenreader die Dateinummer vor. Wenn alt="" gesetzt ist, überspringen sie das Bild korrekt. Was ein Deko-Bild ist und was ein Inhalts-Bild, entscheidest du redaktionell — wir helfen bei der Abgrenzung.
Was ist mit Bildern, die schon seit Jahren in alten Blog-Beiträgen liegen?
Pragmatisch: die letzten 12–24 Monate aktiver Inhalte sind Pflicht. Sehr alte, kaum noch besuchte Beiträge fallen unter „verhältnismäßiger Aufwand“ — du musst nicht jeden Beitrag aus 2014 nachziehen. Die Aufsicht prüft, ob du dich ernsthaft kümmerst, nicht ob jedes Komma sitzt. Eine Erklärung-zur-Barrierefreiheit, die das offen sagt, schützt dich.
Reicht ein „Barrierefreiheits-Plugin“, das ich einbaue?
Nein. Diese Overlays (UserWay, accessiBe, Equalize Digital) lösen das Problem auf der Code-Ebene nicht und sind in mehreren Ländern bereits Gegenstand von Klagen. Die deutsche Aufsicht hat sich noch nicht offiziell positioniert — aber das BFSG verlangt strukturelle Konformität, kein Cookie-Banner-Aufsatz. Wer Overlay einbaut, hat das Problem nicht gelöst, nur versteckt.
Was kostet eine BFSG-Sanierung in einem typischen Mittelstands-Fall?
Festpreis nach Audit. Für die fünf häufigsten Lücken bewegt sich das je nach Seitenumfang zwischen einem niedrigen vier- und einem mittleren vierstelligen Bereich. Mehr Klarheit gibt es nach Hannes' Befund — wir nennen vorher, was reinkommt, du entscheidest, ob du das machen lässt.
Was ist, wenn ich gerade keinen Druck habe — kann ich das schieben?
Du kannst — aber du arbeitest dann mit einem Bußgeld-Risiko, das jederzeit aktiv werden kann. Anzeigen kommen meist von Wettbewerbern, Verbraucherschutz-Verbänden oder einzelnen Aktivisten. Du kannst das nicht steuern. Wir empfehlen: Audit jetzt machen (kostenlos), Plan in die Schublade, Umsetzung wenn es passt. So bist du vorbereitet, ohne sofort handeln zu müssen.
Bringt es etwas, wenn ich nur die Startseite saniere und den Rest später?
Etwas — aber wenig. Die Aufsicht prüft die gesamte Website, nicht nur den Hero. Wir empfehlen: gleich alle aktiv genutzten Seiten mitnehmen (typisch 5–15 Seiten), das ist im selben Werktag zu schaffen. Sehr alte Archiv-Seiten kann man in der Erklärung-zur-Barrierefreiheit als „in Überarbeitung“ markieren — das ist legitim, solange du dran arbeitest.

Das regeln wir — so sieht das bei uns aus.

Unsicher, wo deine Seite steht? Frag Hannes — er schaut sie sich an und sagt dir ehrlich, was zu holen ist.