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Shop-Migration in 22 Punkten: Die Checkliste für Vorlauf, Cut-over und Nachlauf — der konkrete Plan, an dem sich jedes Migrations-Projekt durchziehen lässt
Was drin steht
- Eine Shop-Migration ist nicht eine einzelne Aktion, sondern eine Sequenz aus 22 Schritten, verteilt auf Vorlauf, Cut-over und Nachlauf. Wer auch nur einen Schritt überspringt, baut sich eine Schwachstelle für später.
- Der Vorlauf entscheidet über 70 Prozent des Erfolgs. Saubere Audits, vollständige URL-Pläne, durchdachte Sortiments-Aufräumung — diese Vorarbeit ist nicht aufschiebbar.
- Der Cut-over ist der sichtbarste Teil, aber wenn der Vorlauf sauber war, ist er die kürzeste Phase. 24 bis 48 Stunden Bestell-Stopp, klare Reihenfolge der Umstellungs-Schritte, getestete Bestell-Strecke vor Öffnung.
- Der Nachlauf wird oft unterschätzt — und ist die Stelle, an der sich entscheidet, ob die Migration zur Modernisierung wird oder zur Reparatur-Schlange. Mindestens 6 Wochen aktives Monitoring sind Pflicht.
- Diese 22 Punkte sind keine Plattform-spezifischen Anweisungen, sondern System-unabhängiges Vorgehen. Sie gelten für SaaS-zu-Eigen genauso wie für Wechsel zwischen klassischen Plattformen.
Diese Checkliste ist die zusammengefasste Praxis aus Migrations-Projekten der letzten Jahre. Sie ist nicht erschöpfend — jeder Shop hat seine Eigenheiten — aber sie deckt die 22 Punkte ab, die wir in jeder Migration durchgehen. Wer diese Liste vor Projekt-Beginn nochmal abhakt, weiß spätestens nach Punkt 8, ob die Migration leicht oder zäh wird.
Die Liste ist System-unabhängig. Sie gilt für den Wechsel vom SaaS-Mietshop zur eigenen Plattform genauso wie für den Wechsel zwischen klassischen deutschen Shop-Systemen. Die Detail-Mechanik unterscheidet sich, der Ablauf nicht.
Vorlauf (8 Punkte) — die Vorarbeit, die niemand sieht
1. Daten-Audit des alten Shops
Vollständige Inventur: Wie viele Artikel, wie viele Kategorien, wie viele Inhalts-Seiten, wie viele Kundenkonten, wie viele Bestellungen pro Monat. Welche Drittmodule sind im Einsatz, welche Anbindungen laufen, welche Zahlungs-Dienste sind verknüpft. Ergebnis: Eine Bestands-Aufnahme, an der der gesamte Migrations-Plan hängt.
2. Sortiments-Audit und Aufräumung
Welche Artikel haben in den letzten 12 Monaten null Bestellungen gehabt? Diese kommen nicht mit. Welche Kategorien sind kaum noch befüllt? Werden zusammengelegt. Welche Beschreibungen sind älter als 3 Jahre? Werden überarbeitet oder rausgeworfen. Ergebnis: Eine Sortimentsliste, die schlanker ist als die alte und nur die Artikel enthält, die im neuen Shop wirklich live gehen.
3. Vollständiger URL-Plan
Pro alter URL (Produktseiten, Kategorie-Seiten, Inhalts-Seiten, Blog-Beiträge, sonderbare Landing-Pages) die neue URL definieren. Wenn eine alte URL keinen Nachfolger im neuen Shop hat, wird sie auf eine sinnvolle nächst-höhere Seite umgeleitet (Kategorie statt Artikel, Startseite statt Sortiments-Liste). Ergebnis: Eine 301-Weiterleitungs-Liste als Tabellen-Datei, die im Cut-over als Konfigurations-Artefakt eingespielt wird.
4. SEO-Substanz-Snapshot
Vor der Migration ein Sichtbarkeits-Audit des alten Shops: Top-100-URLs in den Suchmaschinen-Rankings, Backlink-Profil, Strukturdaten, die aktuell ziehen. Ergebnis: Eine Referenz-Aufnahme, gegen die der Nachlauf gemessen wird. Ohne Snapshot weiß man hinterher nicht, ob die Migration SEO-neutral war oder Verluste produziert hat.
5. Kundendaten-Inventur und DSGVO-Klärung
Welche Kundendaten sind im alten System gespeichert? Welche dürfen migriert werden, welche brauchen eine erneute Einwilligung, welche müssen gelöscht werden (z.B. wegen abgelaufener Aufbewahrungs-Frist)? Newsletter-Zustimmungen separat betrachten. Bestell-Historie ist meist über berechtigtes Interesse abgedeckt. Ergebnis: Eine Kundendaten-Migrations-Spezifikation mit Rechtsgrundlage pro Datenkategorie.
6. Modul-Inventur und Neu-Konfigurations-Plan
Welche Drittmodule sind im alten Shop im Einsatz? Welche werden im neuen System ersetzt (Standardmodul, anderes Drittmodul, eigene API-Anbindung)? Welche fallen ganz weg (weil die Funktion im neuen System nativ vorhanden ist)? Konditionen mit Dienstleistern neu klären — Zahlungs-Anbieter, Versand-Layer, Lager-Software. Ergebnis: Eine Modul-Roadmap mit Verantwortlichkeiten und Zeit-Ankerpunkten.
7. Architektur und Hosting des neuen Shops
Entscheidungen treffen: Plattform, Hosting-Umgebung, Skalierungs-Logik, Backup-Strategie, Monitoring. Wer im alten Shop auf einem gemieteten Stack saß, hat jetzt die Verantwortung für die Architektur — und das verlangt Klarheit, nicht nur „läuft schon“.
8. Migrations-Zeitplan mit Cut-over-Fenster
Konkrete Termine festlegen. Wann beginnt der Aufbau, wann ist die erste Sortimentsdaten-Migrations-Welle, wann sind die Funktions-Tests, wann ist der Cut-over. Cut-over-Fenster bewusst in eine ruhige Zeit legen — Wochenende, Brückentag, früher Morgen. Allen Beteiligten (Lager, Buchhaltung, Support) den Zeitplan kommunizieren. Ergebnis: Ein Projekt-Plan, an dem alle Beteiligten sich orientieren können.
Aufbau (5 Punkte) — die längste Phase, die niemand sieht
9. Neuer Shop wird parallel aufgebaut
Während der alte Shop normal weiter verkauft, wächst der neue im Hintergrund. Eigene Domain während des Aufbaus (z.B. neu.shop-domain.de), passwort-geschützt, so dass nur das Projekt-Team Zugriff hat. Suchmaschinen-Indizierung wird per robots.txt blockiert, sonst entstehen Duplicate-Content-Risiken.
10. Sortimentsdaten-Migration in Wellen
Nicht alles auf einmal. Erste Welle: Top-100-Artikel. Stichproben-Prüfung. Zweite Welle: nächste 1.000 Artikel. Stichproben-Prüfung. Und so weiter. Wer alles in einer Welle macht, sieht Fehler erst, wenn sie schon multipliziert sind.
11. Inhalts-Aufbau (nicht Migration)
Inhalts-Seiten werden im neuen Shop neu aufgebaut. Welche Inhalts-Seiten bleiben relevant? Welche Texte werden überarbeitet, welche neu geschrieben? Diese Disziplin verteilt sich über die gesamte Aufbau-Phase und sollte nicht in den letzten Wochen vor Cut-over gestapelt werden.
12. Anbindungen einrichten und testen
Pro Anbindung: einrichten, Test-Datenstrom, Verifikation. Versand-Layer mit Test-Sendung. Zahlungs-Anbieter mit Test-Zahlungs-Vorgang. Warenwirtschafts-Sync mit Test-Bestand. Erst wenn alle Anbindungen einzeln funktionieren, kommt der End-to-End-Test.
13. Funktions-Tests in mehreren Wellen
Test-Plan abarbeiten: Bestell-Strecke (Anonym und mit Konto), Checkout (alle Zahlungs-Arten), Versand-Auswahl, Retoure-Antrag, Self-Service-Pfade. Pro Test-Fall ein dokumentiertes Ergebnis. Wer ohne Test-Plan in den Cut-over geht, baut sich ein Roulette-Spiel.
Cut-over (5 Punkte) — der sichtbare Tag
14. Bestell-Stopp im alten Shop kommunizieren
24 Stunden vor Cut-over: Banner im alten Shop „Bestell-Stopp am [Datum] von [Uhrzeit] bis [Uhrzeit] wegen System-Umstellung“. Mail an Newsletter-Liste mit gleichem Hinweis. Wer den Stopp nicht kommuniziert, ärgert Käufer, die genau in diesem Fenster bestellen wollen.
15. Letzte Bestellungen und Datenstand-Transfer
Sobald der Bestell-Stopp aktiv ist: Alle offenen Bestellungen im alten Shop abarbeiten. Letzten Datenstand aus dem alten Shop in den neuen migrieren — finaler Bestand, finale Kundenliste, finale Bestell-Historie. Diese letzte Welle ist meist die kleinste, aber sie ist die kritischste, weil hier die letzten Lücken geschlossen werden.
16. Domain-Umstellung und 301-Weiterleitungen aktivieren
DNS-Eintrag der Haupt-Domain auf den neuen Shop umstellen. 301-Weiterleitungs-Liste im Webserver oder im neuen Shop aktivieren. Robots.txt im neuen Shop von „nicht indexieren“ auf „indexieren“ stellen. Sitemap.xml beim großen Suchmaschinen-Anbieter neu einreichen.
17. Test-Bestell-Strecke vor Bestell-Öffnung
Bevor der neue Shop für echte Käufer geöffnet wird: Mindestens fünf Test-Bestellungen mit unterschiedlichen Konstellationen durchspielen. Echte Bezahlung, echter Versand-Layer-Aufruf, echte Mail-Strecke. Wenn alle fünf sauber durchlaufen, ist der Shop bereit. Wenn nicht, wird der Bestell-Stopp verlängert, bis die Lücke geschlossen ist.
18. Bestell-Annahme öffnen und Monitoring scharf stellen
Banner im neuen Shop „Wir sind wieder bestellbereit“. Newsletter-Mail an die bestehende Käufer-Liste mit Hinweis auf den neuen Shop und auf die Passwort-Reset-Pflicht. Monitoring-Tools aktivieren — Bestell-Eingang, Fehler-Rate, Performance, Zahlungs-Anbindungs-Status.
Nachlauf (4 Punkte) — die unterschätzte Phase
19. Such-Sichtbarkeits-Monitoring (mindestens 6 Wochen)
Wöchentliche Beobachtung der Suchmaschinen-Rankings für die wichtigsten Keywords und URLs. Vergleich zum SEO-Substanz-Snapshot aus Punkt 4. Wackel in den ersten 2 Wochen sind normal (Algorithmus-Verarbeitung der Weiterleitungen), nach 6 Wochen sollte die Sichtbarkeit auf Ausgangs-Niveau oder darüber sein. Wenn nicht: Weiterleitungen prüfen, ob alle URLs sauber abgedeckt sind.
20. Kunden-Support für Passwort-Reset und Konto-Wiederherstellung
In den ersten Wochen nach Cut-over kommen erfahrungsgemäß deutlich mehr Support-Anfragen — die meisten zum Thema „mein Passwort funktioniert nicht“. Support-Skripte vorbereiten, Reset-Pfad im Shop prominent kommunizieren, gegebenenfalls Support-Mitarbeiter aufstocken. Wer den Support-Anstieg nicht antizipiert, sieht Bewertungs-Eintragungen, die sich um „nervige Umstellung“ drehen.
21. Lücken-Schluss in Inhalten und Sortiment
In den ersten 4 bis 8 Wochen werden Lücken sichtbar — Artikel-Beschreibungen, die im neuen Shop nicht so wirken wie geplant, Kategorie-Seiten, die noch leer wirken, Inhalts-Seiten, die im alten Shop selbstverständlich waren und im neuen vergessen wurden. Wöchentliche Lücken-Schluss-Routine als Standard-Aufgabe einplanen.
22. Alter Shop als Schatten-Kopie für mindestens 8 Wochen
Der alte Shop bleibt lese-zugänglich für mindestens 8 Wochen, ohne neue Bestellungen anzunehmen. Diese Karenz-Zeit hilft bei Daten-Nachträgen, falls im neuen Shop etwas fehlt. Nach 8 Wochen kann der alte Shop abgeschaltet werden. Die Daten-Sicherung sollte aber dauerhaft archiviert sein (Buchhaltungs-relevante Daten 10 Jahre Aufbewahrungs-Pflicht), nicht beim Abschalten gelöscht.
Die unsichtbaren Disziplinen, die alle 22 Punkte tragen
- Versions-Kontrolle aller Migrations-Artefakte. Die URL-Liste, die Modul-Roadmap, die Test-Pläne, die Konfigurations-Dateien — alles in einem Versionierungs-System, damit jede Änderung nachvollziehbar ist.
- Tägliche Stand-Ups in der Aufbau- und Cut-over-Phase. Wer beteiligt ist, was steht heute an, wo gibt es Blockaden. Migrations-Projekte versanden ohne diese Disziplin.
- Klare Verantwortlichkeiten. Wer ist verantwortlich für Sortimentsdaten, wer für Inhalts-Seiten, wer für Anbindungen, wer für Support. Diffuse Verantwortlichkeiten sind die größte Migrations-Falle.
- Backup-Strategie über alle Phasen. Vor jeder Welle ein Backup. Vor dem Cut-over das große Backup. Vor jeder Konfigurations-Änderung im Nachlauf ein Backup. Wer das nicht macht, kann nicht zurück, wenn etwas schiefläuft.
- Kommunikation an Käufer in mehreren Wellen. Pre-Migration-Mail, Cut-over-Mail, Post-Migration-Bestätigung. Wer den Käufer mitnimmt, hat weniger Support-Last und mehr Wohlwollen.
Wenn die Checkliste nicht reicht
Diese 22 Punkte sind das System-unabhängige Skelett. In jedem konkreten Projekt kommen Spezial-Punkte dazu, die von der Plattform-Wahl, dem Sortiment, der Käufer-Struktur und den Anbindungen abhängen. Die Liste ist die Mindest-Basis, nicht die vollständige Antwort.
Gleichzeitig: Wer keine 22 Punkte abarbeitet, sondern „mal eben den Shop umstellt“, baut sich Risiken auf, die sich später in Bewertungs-Texten, SEO-Verlusten und Support-Stürmen niederschlagen. Migration ist kein Sprint, sondern ein Marathon mit klaren Etappen-Zielen.
Was Hannes daraus macht
Wir begleiten Shop-Migrationen entlang dieser 22 Punkte, mit angepasstem Schwerpunkt je nach Anlass:
- Pre-Migration-Audit mit Liefer-Artefakt (Daten-Inventur, URL-Plan, Modul-Roadmap, SEO-Snapshot).
- Aufbau-Phase mit wöchentlichen Status-Checks und Welle-für-Welle-Migration.
- Cut-over an einem definierten Termin, mit Test-Bestell-Strecke vor Öffnung.
- Nachlauf-Begleitung 8 Wochen mit Such-Sichtbarkeits-Beobachtung, Support-Anstieg-Abfederung und Lücken-Schluss-Routine.
- Schatten-Kopie des alten Shops für 8 Wochen, dann saubere Abschaltung mit dauerhafter Daten-Archivierung.
- Übergabe-Dokumentation mit allen Migrations-Artefakten, damit der Inhaber bei künftigen System-Veränderungen weiß, wo welche Datei lag.
Festpreis nach Audit. Wer mit dieser Checkliste in den Projekt-Beginn geht, hat realistisches Erwartungs-Bild und einen klaren Pfad. Migration ist anspruchsvoll, aber sie ist plan- und kalkulierbar — wenn die Disziplin stimmt.
Häufige Fragen
Kann man die 22 Punkte abkürzen, wenn es ein sehr kleiner Shop ist?
Wer im Team ist verantwortlich für welche Punkte?
Was passiert, wenn der Cut-over schiefläuft — wann ist der Rollback fällig?
Wie lang darf der Bestell-Stopp im Cut-over wirklich dauern?
Wie verhindern wir, dass im Nachlauf wichtige Bestellungen aus dem alten Shop verloren gehen?
Müssen wir wirklich alle Inhalts-Seiten neu aufbauen — können wir nicht einfach den HTML-Code übertragen?
Wie testen wir vor dem Cut-over, ob die SEO-Substanz übertragen wird?
Das regeln wir — so sieht das bei uns aus.
Unsicher, wo deine Seite steht? Frag Hannes — er schaut sie sich an und sagt dir ehrlich, was zu holen ist.