Website neu bauen

Customer Journey für die Website: Vom Google-Klick bis zum Audit-Submit

Stand: 18. Juli 20254 Min Lesezeit

Was drin steht

  • Eine Customer Journey ist keine Marketing-Folie. Sie ist die ehrliche Antwort auf die Frage: Welche fünf Etappen liegen zwischen dem ersten Google-Klick und dem ersten Geld auf dem Konto?
  • Im KMU-Web reichen fünf Phasen: Awareness · Vergleich · Entscheidung · Erstkontakt · Lieferung. Mehr Phasen lenken vom Hebel ab.
  • Jede Phase hat einen eigenen Kontaktpunkt auf deiner Site. Wer drei Phasen mit einer einzigen Seite bedienen will, verliert zwei davon.
  • Der gefährlichste Übergang ist Phase 3 → 4: Entscheidung zu Erstkontakt. Hier passiert 80 % des Verlusts — meist wegen Formular-Reibung oder Beantwortungs-Zeit über 4 Stunden.
  • Eine gute Journey kann man rückwärts erzählen: Du fängst beim Auftrag an und gehst zurück, was alles passieren musste, damit er zustande kam. Vorwärts denken führt zu Wunsch-Annahmen, rückwärts denken zur Realität.

„Customer Journey“ ist eines dieser Begriffe, die im Konzern-Marketing zerredet wurden, bis sie im Mittelstand keinen mehr interessieren. Schade — denn das, was hinter dem Wort steckt, ist genau die Disziplin, an der eine Website hängt oder fällt. Hier kommt die ehrliche, mittelstands-taugliche Version: keine Folien, keine 9-stufige Matrix, sondern fünf Phasen mit konkreten Übergangs-Punkten auf deiner Site.

Was eine Customer Journey wirklich ist

Eine Customer Journey beschreibt den Weg, den ein Mensch zwischen „kennt mich nicht“ und „hat bezahlt“ zurücklegt. Sie ist kein Marketing-Konzept — sie ist eine Karte. Karten haben Wege, Knoten und Hindernisse. Genau das brauchst du.

Was eine Customer Journey nicht ist:

  • Ein Funnel mit Prozent-Zahlen (das ist eine Trichter-Visualisierung, nicht eine Journey)
  • Ein Marketing-Kanal-Plan (das ist Reichweiten-Strategie, nicht Customer-Strategie)
  • Ein Persona-Tagesablauf (das ist Persona-Arbeit, kein Weg-Plan)

Die Journey beantwortet eine einzige Frage: Was passiert, zwischen dem ersten Google-Klick und dem ersten Auftrag? Welche Etappen, welche Übergänge, welche Reibungs-Punkte?

Die fünf Phasen im KMU-Web

Wir arbeiten mit fünf Phasen — weniger wäre zu grob, mehr verwässert. Jede Phase hat eine eigene Logik und einen eigenen Kontaktpunkt auf deiner Site:

Phase 1 — Awareness: Er weiß, dass es ein Problem gibt

Der Mensch hat einen konkreten Anlass: Brief von der Marktüberwachung, Hinweis vom Mandanten, Frust mit dem alten Tool, neuer Wettbewerber im Ort. Er sucht. Bei dieser Suche stößt er auf dich — meistens über Google, zunehmend über KI-Antworten. Dein Kontaktpunkt: Ratgeber-Artikel, Wissens-Seite, Blog-Eintrag mit konkreter Antwort auf seine konkrete Frage. Nicht deine Startseite — die kommt später.

Phase 2 — Vergleich: Er sammelt Anbieter

Er hat verstanden, dass er Hilfe braucht. Jetzt vergleicht er drei bis fünf Anbieter. Er besucht Startseiten, liest „Über uns“, schaut Preis-Hinweise (auch wenn keine konkreten Preise da sind), prüft Referenzen. Dein Kontaktpunkt: Startseite mit klarer Positionierung, Produkt-Landingpages mit ehrlichem Festpreis-Frame, ein echtes Gesicht statt Stockfoto.

Phase 3 — Entscheidung: Er hat eine Vorauswahl

Er hat sich für zwei oder drei Anbieter entschieden, die er kontaktieren will. Er prüft Details: Wie sieht die Zusammenarbeit aus? Wie schnell antwortet jemand? Wie konkret sind die Hinweise? Dein Kontaktpunkt: Audit-Werkzeug (URL eingeben, Befund kriegen), FAQ-Sektionen, Mini-Stories aus realen Fällen.

Phase 4 — Erstkontakt: Er macht den Schritt

Er füllt das Formular aus oder bucht einen Termin. Hier passiert der Bruch, der die meisten Anbieter kostet. Ein Formular mit zwölf Pflichtfeldern verliert 70 % der Interessenten zwischen Feld 4 und Feld 7. Ein „Wir melden uns innerhalb der nächsten 48 Stunden“ verliert 50 % an einen schnelleren Anbieter. Dein Kontaktpunkt: kurzes Formular oder direkte Termin-Buchung, Bestätigungs-Mail mit klarem nächsten Schritt.

Phase 5 — Lieferung: Aus dem Interessenten wird ein Kunde

Das Erstgespräch findet statt, das Angebot geht raus, der Vertrag wird unterschrieben, das Projekt läuft. Dein Kontaktpunkt: Kunden-Portal, Statusseite, Rechnungs-Übergabe, regelmäßige Updates. Diese Phase ist oft zu kurz gedacht — dabei entscheidet sie über Wiederkauf und Empfehlung.

Der gefährlichste Übergang: Phase 3 zu Phase 4

Wenn wir Sites auditen, finden wir hier den größten Hebel — meist auf Anhieb. Drei Muster sind typisch:

  • Friction-Formular: Das Kontaktformular hat zwölf Felder, davon acht Pflicht. Die ersten beiden sind Name und Mail, dann kommt „Budget“ und „gewünschter Liefertermin“. 70 % der Besucher klicken weg.
  • Antwort-Latenz: Die automatische Bestätigung sagt „Wir melden uns binnen 48 Stunden“. Das ist 2026 zu langsam. Wer in den ersten 30 Minuten reagiert, gewinnt — wer 24+ Stunden braucht, hat verloren.
  • Tonalität-Bruch: Die Site klingt persönlich, aber die automatische Bestätigung kommt mit „Sehr geehrte Damen und Herren, wir bestätigen den Eingang Ihrer Anfrage.“ Konzern-Vokabel an der schlechtesten Stelle.

Wer diese drei Stellen sauber macht, hebt die Konversion in Phase 3→4 von 15–25 % auf 60–75 %. Das ist nicht Marketing-Versprechen — das ist der Hebel, den wir in jedem Audit konkret zeigen.

Journey rückwärts erzählen — die ehrliche Methode

Statt deine Journey nach vorne zu planen („wie könnten wir Leute gewinnen?“), empfehlen wir, sie rückwärts zu erzählen:

  1. Nimm einen Auftrag, der gerade frisch reingekommen ist.
  2. Frag den Kunden: Wann hast du mich zum ersten Mal gehört oder gesehen?
  3. Frag: Was hast du danach getan? Welche anderen Anbieter hast du angeschaut?
  4. Frag: Was hat dich am Ende dazu gebracht, bei mir zu unterschreiben?
  5. Frag: Welche Sekunde war für dich entscheidend?

Aus drei bis fünf solcher Rückwärts-Gespräche siehst du, wo deine echte Journey läuft. Sie sieht meistens anders aus als die Folien-Version. Wir haben das selbst zweimal durchgemacht und einmal eine Phase rausgeschnitten, die unsere Vermutung war — bei keinem realen Kunden hat sie eine Rolle gespielt.

Ein Kontaktpunkt pro Phase — nicht mehr

Eine häufige Falle: Die Startseite soll alle fünf Phasen bedienen. Sie soll Awareness schaffen, vergleichen lassen, Entscheidung erleichtern, Erstkontakt anbieten und Lieferungs-Vertrauen aufbauen. Ergebnis: Eine Seite, die alles will und nichts überzeugend tut. Wir empfehlen klare Trennung:

  • Phase 1 → Ratgeber-Artikel
  • Phase 2 → Startseite + Produkt-Landingpages
  • Phase 3 → Audit-Werkzeug + ein Gesicht, das man kennt
  • Phase 4 → Termin-Buchung + Kurz-Formular
  • Phase 5 → Kunden-Portal + Statusseite

Jede dieser Stellen hat eine klare Aufgabe und kann sie konzentriert erfüllen. Die Startseite muss nicht das Audit machen — sie muss in die Audit-Seite verlinken. Das ist der Unterschied zwischen einer „Single-Page-macht-alles“-Architektur und einer Journey-tauglichen Architektur.

Was Hannes daraus macht

Wir bauen jede Website-Architektur entlang dieser fünf Phasen — nicht als bürokratische Übung, sondern weil es die Site spürbar verkaufstauglicher macht. Jede neue Seite wird gegen die Frage geprüft: Welche Phase bedient sie, welcher Übergang führt zu ihr, welcher führt aus ihr raus. Phasen ohne klaren Kontaktpunkt werden hinzugefügt, Seiten ohne klare Phase werden zusammengelegt oder gestrichen.

Wenn du an deiner eigenen Journey arbeitest und unsicher bist, wo der größte Bruch sitzt, ist das Audit-Werkzeug der einfachste Einstieg. Es zeigt dir Phase für Phase, wo Reibung liegt — und das Erstgespräch hinterher ist dann konkret statt vage.

Häufige Fragen

Brauchen wir wirklich fünf separate Seiten — geht das nicht kompakter?
Du brauchst nicht fünf Seiten, sondern fünf Kontaktpunkte. Zwei Phasen können auf einer Seite leben — zum Beispiel Vergleich und Entscheidung auf einer gut strukturierten Startseite. Was du nicht kannst: alle fünf Phasen auf einer Seite. Spätestens dann wird die Seite zur Liste statt zur Karte.
Was ist mit Phasen vor der Awareness — Trigger und Inspiration?
Das sind Phasen, die im B2C-Marketing wichtig sind (Werbung, die Lust auf Reisen macht). Im KMU-B2B-Web ist Phase 1 (Awareness) der Anfang — niemand bekommt morgens spontan Lust auf eine BFSG-Sanierung. Der Trigger ist ein konkreter Anlass, und der löst Awareness aus. Vorgelagerte Phasen sind im KMU-Web fast immer Theorie ohne Hebel.
Wie messen wir die Übergangs-Verluste pro Phase?
Mit einfachen Mitteln: Wie viele Besucher kommen auf den Ratgeber? Wie viele klicken weiter zur Startseite? Wie viele klicken auf das Audit-Werkzeug? Wie viele füllen den Befund aus? Wie viele buchen einen Termin? Das sind fünf Zahlen, die du in jedem Web-Analyse-Werkzeug bekommst. Komplizierte Customer-Journey-Tools brauchen wir im KMU nicht.
Was ist mit Wiederkauf und Empfehlung — sind das nicht zusätzliche Phasen?
Doch — und sie sind extrem wichtig. Aber sie spielen auf einer anderen Ebene als die erste Journey: Sie sind das Ergebnis von Phase 5 (Lieferung), nicht eine eigene Phase davor. Wer Phase 5 gut macht, bekommt Wiederkauf und Empfehlung als Folge. Wer Phase 5 schludrig macht, kann auch mit aufwendigen Wieder-Aktivierungs-Kampagnen wenig retten.
Müssen wir die Customer Journey aufschreiben?
Ja — aber kurz. Eine Seite, fünf Phasen, je drei Stichpunkte (Kontaktpunkt, größtes Risiko, ehrliche Konversions-Quote). Das passt auf eine DIN-A4-Seite und ist Arbeits-Werkzeug, nicht Hochglanz. Sobald du anfängst, sie in eine bunte Folien-Karte umzubauen, geht der Praxis-Nutzen flöten.
Wie oft ändert sich die Journey?
Phasen ändern sich selten — Trigger und Übergänge öfter. Ein Beispiel: Vor zwei Jahren war Phase 1 fast nur Google-Suche. Heute kommen viele über KI-Antworten direkt in Phase 2 oder 3 rein. Das verändert die Anforderung an deine Inhalte (GEO-Tauglichkeit), nicht die Phasen selbst. Prüf die Journey einmal pro Halbjahr ehrlich, das reicht.

Das regeln wir — so sieht das bei uns aus.

Unsicher, wo deine Seite steht? Frag Hannes — er schaut sie sich an und sagt dir ehrlich, was zu holen ist.