Website neu bauen

Sitemap vor Design: Warum Wireframes vor Photoshop kommen müssen

Stand: 25. September 20254 Min LesezeitWerkstatt-Wissen

Was drin steht

  • Wer Design vor Sitemap macht, baut ein schönes Haus auf Sand. Sitemap ist das Fundament — Design ist die Fassade.
  • Eine Sitemap im KMU-Web hat zwei Funktionen: Sie macht Phasen-Logik sichtbar (Customer Journey) und sie zwingt zur Priorisierung (was kommt aufs Top-Niveau, was wandert tiefer).
  • Wireframe-Phase vor Design-Phase spart in der Regel zwei Korrektur-Runden — und damit Wochen Projekt-Laufzeit. Der Kunde sieht früh, wie es funktioniert, bevor er über Farben und Bilder spricht.
  • Ein Wireframe ist kein hässliches Design. Ein Wireframe ist ein bewusst reduziertes Strukturwerkzeug. Es zeigt Anordnung und Funktion, nicht Optik.
  • Wer den Sitemap+Wireframe-Schritt überspringt, landet fast immer im „wir hätten doch besser …“ — und das passiert dann in einer Phase, in der jede Änderung teuer wird.

Der häufigste Fehler im Website-Projekt: Es wird zu früh über Optik gesprochen. Der Kunde will eine Vorschau, der Designer will Anfangs-Material zeigen, alle wollen Fortschritt sehen. Photoshop oder Figma startet — und vier Wochen später hat man drei wunderschöne Entwürfe, aber niemand weiß, ob die Struktur überhaupt verkaufstauglich ist. Das ist der Moment, in dem Projekte kippen.

Was eine Sitemap ist

Eine Sitemap ist eine Liste aller Seiten deiner Website mit ihrer hierarchischen Ordnung. Hauptnavigation oben, Untergruppen drunter, Fußzeile separat. Eine gute Sitemap zeigt auf einen Blick:

  • Was sind die Top-Level-Bereiche (in der Hauptnavigation)?
  • Welche Seiten gehören in welchen Bereich?
  • Wo gibt es Quer-Verbindungen (z.B. von einem Trigger-Artikel zur Audit-Seite)?
  • Welche Seiten leben unsichtbar (Impressum, Datenschutz, AGB)?

Eine schlechte Sitemap ist eine Wunsch-Liste ohne Hierarchie. Eine gute Sitemap ist eine Entscheidung, was zentral ist und was peripher.

Sitemap als Customer-Journey-Probe

Die einfachste Test für eine Sitemap: Folge ihrer Logik mit deiner Haupt-Persona im Kopf. Wo landet Martin (54, Inhaber-Steuerberater mit BFSG-Brief), wenn er von Google auf deine Site kommt? Über welche drei Seiten geht er, bevor er auf „Termin buchen“ klickt? Findet er das Audit-Werkzeug ohne zu suchen?

Wenn die Sitemap diesen Pfad nicht hergibt — wenn Martin dreimal zurückklicken muss, um zur richtigen Seite zu kommen — ist die Sitemap nicht fertig. Optik kann das nicht reparieren. Struktur ist die Reparatur.

Was ein Wireframe ist

Ein Wireframe ist die Skizze einer Seite: Wo sitzt das Logo, wo der Hero, wo der Call-to-Action, wo die FAQ-Sektion. Ohne Farben, ohne Fotos, ohne fertige Typografie. Nur graue Kästen mit Platzhalter-Text — manchmal mit Bleistift auf Papier, manchmal in einem Wireframe-Werkzeug.

Der Sinn: Du diskutierst mit dem Kunden über Anordnung und Funktion, nicht über Optik. Sobald Farben und Fotos drin sind, geht das Gespräch in eine andere Richtung („das Blau gefällt mir nicht“, „das Foto wirkt etwas alt“). Das ist legitim — aber es gehört in eine spätere Phase. Vorher musst du Anordnung und Funktion geklärt haben.

Wireframe-Disziplin: Bewusst reduziert

Es gibt zwei Versuchungen beim Wireframe:

  1. Zu viel: Schon Logo-Variante, Schriften, Lieblings-Foto reinhängen. Damit verlierst du den Sinn — der Kunde sieht Optik, nicht Funktion.
  2. Zu wenig: Nur drei Kästen ohne Inhalt. Damit kann niemand etwas anfangen — der Kunde versteht nicht, was dort später kommt.

Der Mittelweg: Graue Kästen mit echten Platzhalter-Texten (nicht „Lorem ipsum“, sondern echte Hero-Zeilen, echte FAQ-Fragen, echte Call-to-Actions). So sieht der Kunde, was die Seite kann — ohne von Optik abgelenkt zu sein.

Die zwei Korrektur-Runden, die du sparst

Wer Sitemap und Wireframe überspringt, durchläuft typischerweise diese Sequenz:

  1. Designer liefert drei Entwürfe der Startseite
  2. Kunde wählt Entwurf B
  3. Bei der Umsetzung merkt man: Die Hauptnavigation hat zu wenige Punkte, die FAQ-Sektion fehlt, die Audit-Verlinkung sitzt falsch
  4. Korrektur-Runde 1: Startseite wird umstrukturiert, neuer Entwurf
  5. Bei den Unterseiten merkt man: Die Struktur passt nicht zur Startseiten-Logik
  6. Korrektur-Runde 2: Sitemap wird nachträglich umgebaut
  7. Projekt zieht sich um drei bis vier Wochen

Wer Sitemap und Wireframe vorher macht, klärt diese beiden Korrektur-Runden vor der Design-Phase — in einem Bruchteil der Zeit. Wireframe-Iterationen kosten halbe Tage, Design-Iterationen kosten Wochen.

Der Konsens-Punkt

Sitemap und Wireframe sind nicht nur Designer-Werkzeuge — sie sind Konsens-Werkzeuge. Wenn der Kunde die Sitemap unterschreibt und das Wireframe akzeptiert, hat er sich auf Struktur und Funktion festgelegt. Ab da diskutiert er nur noch Optik. Das macht die Design-Phase deutlich friedlicher und schneller.

Ohne Konsens-Punkt vor der Design-Phase kommen Strukturfragen in jeder Design-Runde wieder hoch („sollten wir nicht doch eher …“). Das ist anstrengend und teuer.

Wann darf die Reihenfolge anders sein

Eine Ausnahme: Wenn die Marke noch nicht steht — wenn Logo, Farben, Schriften gerade erst entwickelt werden — kann ein erstes Moodboard mit Look-and-Feel sinnvoll sein, bevor die Sitemap final ist. Aber das Moodboard ist Brand-Arbeit, nicht Site-Design. Es geht um Stimmung und Farbwelt, nicht um konkrete Seiten-Entwürfe.

Sobald Brand steht: Sitemap und Wireframe zuerst, Design danach. Die Reihenfolge ist nicht Dogma — sie ist erprobte Effizienz.

Was Hannes daraus macht

Jedes unserer Website-Projekte beginnt mit zwei Sitzungen: einer Sitemap-Sitzung (Struktur, Hauptnavigation, Querverbindungen) und einer Wireframe-Sitzung (Anordnung pro Seitentyp). Diese zwei Sitzungen kosten zusammen etwa einen halben Projekttag und werden vom Kunden formal abgenommen. Erst dann beginnt die Design-Phase. Diese Reihenfolge spart in jeder Projekt-Bilanz zwei Korrektur-Runden — und damit Wochen Laufzeit. Wer eine Site bei uns bauen lässt, durchläuft diese Sequenz, ob er sie will oder nicht.

Wenn du an einer eigenen Website-Planung sitzt und unsicher bist, ob deine Sitemap schon trägt, ist der einfachste Test: Setz dich mit deiner Haupt-Persona in den Kopf, klick die Sitemap von oben nach unten durch — und merk, wo sie stolpert. Wenn du dreimal in einer Sitemap-Reise stolperst, ist die Sitemap noch nicht fertig.

Häufige Fragen

Können wir die Sitemap einfach vom alten Site übernehmen?
Selten gut. Die alte Sitemap entspricht der alten Geschäftslogik — wenn die sich verschoben hat, passt die Struktur nicht mehr. Wir empfehlen: starte mit weißem Blatt und überlege dir, welche Seiten dein heutiges Geschäft braucht. Dann erst vergleiche mit der alten Struktur, was du übernehmen kannst und was du streichst.
Wie viele Punkte sollte die Hauptnavigation maximal haben?
Fünf bis sieben ist erprobt. Mehr verwässert die Wahrnehmung. Wenn du mehr brauchst, hast du wahrscheinlich Punkte vermischt, die in zwei Spalten gehören. Eine Reorganisation in Cluster (z.B. „Produkte“ als Sammel-Punkt mit Untermenü) hilft fast immer.
Müssen Wireframes aufwendig erstellt werden?
Nein. Ein Wireframe darf eine Bleistift-Skizze auf einem A3-Bogen sein, fotografiert und per Mail geschickt. Was zählt, ist Klarheit über Anordnung und Funktion. Wir nutzen einfache Wireframe-Werkzeuge, weil sie sich kommentieren lassen — aber Papier funktioniert auch.
Was, wenn der Kunde unbedingt schon Design sehen will?
Wir liefern dann ein „Brand-Moodboard“: Farbwelt, Schriften, ein paar Stimmungs-Bilder. Das stillt das Bedürfnis nach Optik, ohne dass wir Site-Designs zu früh anfangen. Sobald Sitemap und Wireframes stehen, fließt die Brand-Logik in die konkreten Entwürfe.
Wie lange dauert die Sitemap+Wireframe-Phase?
Bei einem typischen KMU-Site mit 15–30 Seiten: zwei Sitzungen à 90 Minuten plus eine Korrektur-Runde, insgesamt etwa eine Arbeits-Woche kalendarisch. Das klingt nach viel, ist aber ein Bruchteil dessen, was zwei spätere Korrektur-Runden in der Design-Phase kosten würden.
Was ist mit Mobile vs. Desktop — brauchen wir zwei Wireframes pro Seite?
Wir starten in der Regel mit Mobile-First-Wireframes, weil 60–80 % der Besucher mobil kommen. Aus dem Mobile-Wireframe leitet sich Desktop ab — die Stapelung wird zu Spalten. Doppel-Wireframes sind selten nötig, wenn die Mobile-Variante sauber ist.

Das regeln wir — so sieht das bei uns aus.

Unsicher, wo deine Seite steht? Frag Hannes — er schaut sie sich an und sagt dir ehrlich, was zu holen ist.