Website neu bauen

Texte schreiben lassen, KI nutzen oder selber schreiben: Wann lohnt was

Stand: 8. November 20254 Min Lesezeit

Was drin steht

  • Die ehrliche Antwort: Inhaber-Texte schlagen Texter-Texte in fast jedem KMU-Web — wenn der Inhaber die Substanz hat und der Text gut redaktioniert wird.
  • Wer einen externen Texter beauftragt, kauft Schliff — nicht Substanz. Substanz liefert nur, wer in den Erstgesprächen sitzt. Reine Auslagerung führt fast immer zu Floskel-Sound.
  • KI-Werkzeuge als Schreib-Helfer ja, als kompletter Autor nein. KI kann strukturieren, korrigieren, formulieren — aber nicht beobachten, was im Erstgespräch wirklich gesagt wird.
  • Realistische Arbeitsteilung: Inhaber liefert Substanz (Schmerz, Mechanik, konkrete Beobachtungen), KI oder Texter macht den Schliff. Diese Reihenfolge ist nicht umkehrbar.
  • Wann lohnt ein externer Texter? Wenn der Inhaber wirklich nicht schreiben kann oder will — und auch nicht diktieren mag. In allen anderen Fällen ist Hybrid-Modell überlegen.

„Wir bräuchten mal einen Texter.“ Diesen Satz hören wir oft. Dahinter steht meistens eine Annahme: Texten ist eine spezialisierte Disziplin, die man besser auslagert. Das stimmt — für manche Texte. Für KMU-Web-Texte stimmt es selten. Hier ist, warum.

Was eine Website wirklich braucht: Substanz, nicht Schliff

Ein guter KMU-Web-Text hat zwei Schichten: Substanz und Schliff. Substanz ist alles, was nur jemand wissen kann, der im Geschäft drin steht — der konkrete Schmerz der Persona, die echten Wörter aus Erstgesprächen, die Mechanik hinter dem Angebot, die ehrlichen Grenzen. Schliff ist alles, was aus dieser Substanz gut lesbaren Text macht — Satzlänge, Wortwahl, Rhythmus.

Die meisten Texter-Aufträge im Mittelstand scheitern an der Substanz-Schicht. Der Texter bekommt einen Briefing-Termin (45 Minuten), einen Auszug aus der alten Site und ein paar Wettbewerber-Links. Daraus baut er Text. Dieser Text klingt geschliffen — aber er klingt wie jeder andere Mittelstands-Text, weil ihm die echten Beobachtungen aus dem Geschäft fehlen.

Warum Inhaber-Texte trotz Tippfehlern oft besser sind

Wenn ein Inhaber selbst schreibt, kommt etwas durch, was sich nicht delegieren lässt: die Art, wie er wirklich spricht. Welche Vokabel er immer wieder benutzt. Welche Sätze er nie zu Ende denkt. Welchen Ton er anschlägt, wenn er gefragt wird, warum ein bestimmter Kunde abgesprungen ist. Dieser Ton ist Marke — und Marke kann kein externer Texter erfinden.

Ein Inhaber-Text hat oft formale Schwächen — Satzfragmente, Wiederholungen, manchmal sogar Rechtschreib-Fehler. Diese Schwächen sind reparierbar. Der fehlende eigene Ton in einem Texter-Text ist nicht reparierbar — er bleibt fremd.

Die Hybrid-Methode: Inhaber diktiert, Schliff folgt

Die in der Praxis beste Variante für KMU-Web:

  1. Der Inhaber spricht Substanz auf — entweder als Diktat (Sprachnotizen auf dem Handy) oder als Roh-Text in einem Editor. Keine Sorge um Form, nur Inhalt.
  2. Der Schliff wird gemacht — entweder durch KI-Unterstützung (Korrektur, Struktur), durch einen externen Lektor, oder durch eine zweite Person im Unternehmen mit Schreib-Affinität.
  3. Der Inhaber prüft das Ergebnis: Klingt das noch nach mir? Falls nein, geht's zurück zum Original-Diktat und der Schliff wird zurückgenommen.

Diese Methode kombiniert die zwei Schichten richtig: Substanz vom Inhaber, Schliff von außen. Sie ist auch zeitlich effizient — ein Inhaber kann in 30 Minuten Diktat mehr Substanz liefern als in zwei Stunden Schreiben, weil Sprechen schneller geht als Tippen.

Wann KI-Werkzeuge sinnvoll sind

KI-Werkzeuge haben drei klar nützliche Funktionen im Web-Text-Prozess:

  • Strukturierung: Aus einem Diktat-Strom wird eine sortierte Gliederung mit H2-Sektionen.
  • Korrektur: Rechtschreibung, Grammatik, Wort-Wiederholungen werden erkannt und Vorschläge gemacht.
  • Formulierung: Ein zu langer Satz wird in zwei kürzere zerlegt, ein zu blasser Satz bekommt mehr Kontur.

Was KI nicht gut kann: ohne Substanz schreiben. Wer der KI sagt „schreib mir einen Text über BFSG für Steuerberater“, bekommt einen plausibel klingenden, aber substanzleeren Text. Die Beobachtungen aus echten Erstgesprächen fehlen, weil die KI sie nicht hat. Das Ergebnis ist Floskel-Sound mit korrekter Grammatik.

Wann ein externer Texter lohnt

Es gibt Fälle, in denen ein externer Texter die richtige Wahl ist:

  • Der Inhaber kann oder will absolut nicht schreiben — und auch nicht diktieren.
  • Es geht um sehr spezielle Text-Sorten (z.B. Pressemitteilungen, Werbe-Anzeigen, Förder-Anträge), bei denen formaler Schliff in einer Fach-Sprache nötig ist.
  • Der Text braucht eine andere Stimme als die Inhaber-Stimme — z.B. eine technische Dokumentation, die nicht „Marken-Ton“ tragen muss.

Für Web-Texte (Hero-Zeile, Produkt-Landingpage, Ratgeber-Artikel) ist der externe Texter selten die ideale Wahl. Hier zählt der eigene Ton — und der ist nicht delegierbar.

Lese-Probe: der einfache Test

Wenn du unsicher bist, ob ein Text trägt, gib ihn jemandem, der dich gut kennt — Partner, Mitarbeiter, langjähriger Kunde — und frag: „Klingt das nach mir?“ Wenn die Antwort „ja, das bist du“ ist, hat der Text Substanz. Wenn die Antwort zögert oder „klingt etwas wie eine Agentur“ kommt, fehlt Substanz.

Diese Lese-Probe ist zuverlässiger als jede stilistische Analyse. Wer dich kennt, hört den Ton sofort.

Häufiger Fehler: Substanz mit Länge verwechseln

Viele Inhaber denken, ein längerer Text habe mehr Substanz als ein kurzer. Das Gegenteil ist meistens wahr: Kurze Texte zwingen zu Verdichtung — und Verdichtung ist Substanz in Reinform. Ein Hero in fünf Wörtern, der trifft, ist mehr wert als ein Hero in dreißig Wörtern, der ausweicht.

Wenn dir ein Texter einen 800-Wort-Hero schreibt, ist das kein Anzeichen für Qualität — es ist ein Anzeichen für fehlende Substanz, die mit Wortmenge überdeckt wird. Premium-Texte sind oft kürzer als der erste Wurf.

Was Hannes daraus macht

Unsere eigenen Texte werden so geschrieben: Heike und Lutz liefern Substanz in einem Erstgespräch oder in einem Diktat-Block. Der Schliff entsteht durch eine Mischung aus eigener Redaktion und KI-Unterstützung. Jeder Text wird abschließend von Heike oder Lutz geprüft mit der Frage „Klingt das noch nach uns?“ — wenn nein, wird der Schliff zurückgenommen. Diese Hybrid-Methode ist effizient und liefert Texte, die unverwechselbar sind. Wir haben in den letzten zwölf Monaten keinen einzigen Web-Text extern beauftragt.

Wenn du an eigenen Web-Texten arbeitest und unsicher bist, ob du eher diktieren oder selber schreiben sollst, ist der einfachste Test: Sprich dreißig Minuten auf Sprachnotiz alles, was dir zu deinem Hauptthema einfällt. Höre die Aufnahme am nächsten Tag. Wenn du dort Substanz hörst, die du nicht erwartet hast, ist Diktat dein Weg. Wenn die Aufnahme dünn klingt, hilft auch ein Texter nicht — dann musst du erst Substanz sammeln.

Häufige Fragen

Was kostet ein guter Texter ungefähr?
Die Spannweite ist groß — von einigen hundert bis zu mehreren tausend Euro pro Web-Text-Paket. Aber: Geld ist im Mittelstands-Web selten der wichtige Faktor. Substanz ist es. Ein teurer Texter ohne Substanz-Substrat liefert dasselbe Floskel-Risiko wie ein günstiger. Investier lieber Inhaber-Zeit in Substanz und Schliff-Geld in Lektorat als andersherum.
Können wir KI-Tools wie ChatGPT direkt als Web-Text-Quelle nutzen?
Direkt als Text-Quelle: nein. Als Schreib-Helfer mit Substanz-Eingabe: ja. Der Unterschied: Wer der KI „schreib mir einen Hero“ sagt, bekommt Allerwelts-Text. Wer der KI „hier sind fünf Beobachtungen aus echten Erstgesprächen, formulier daraus drei Hero-Varianten“ sagt, bekommt brauchbares Rohmaterial. Substanz muss von dir kommen.
Wie redaktionieren wir Inhaber-Texte, ohne den eigenen Ton zu verlieren?
Mit Disziplin und einer einfachen Regel: Der Schliff darf den Inhalt verbessern, aber niemals die Wort-Wahl ersetzen. Wenn der Inhaber „verwalten statt beraten“ sagt, bleibt das stehen — auch wenn ein klassischer Texter es zu „administrative Tätigkeiten anstelle von Beratung“ hochstilisieren würde. Solche Hochstilisierung ist genau, was Inhaber-Text in Floskel-Text verwandelt.
Funktioniert die Methode auch für viele Texte, z.B. eine Wissens-Bibliothek mit 50 Artikeln?
Ja, mit guter Rhythmik. Eine Diktat-Session pro Monat liefert Substanz für drei bis fünf Artikel. Der Schliff läuft in Wellen. Wer das systematisch macht, baut in einem Jahr eine Wissens-Bibliothek von 30–50 Artikeln auf, die echte Inhaber-Stimme trägt — und das ist mehr wert als 100 Texter-Artikel, die alle gleich klingen.
Was, wenn der Inhaber wirklich nicht schreiben kann — z.B. Legasthenie oder massive Schreib-Hemmung?
Dann ist Diktat der Schlüssel. Sprachnotizen kennen keine Legasthenie. Was du nicht tippen kannst, kannst du sprechen — und der Schliff wandelt es in geschriebenen Text um. Wenn auch Sprechen nicht geht, wird ein externer Texter zur sinnvollen Wahl — aber mit deutlich mehr Briefing-Zeit als üblich (mehrere Stunden, nicht 45 Minuten).
Sollten wir Texte auf Englisch übersetzen lassen?
Nur wenn ihr tatsächlich international verkauft. Eine deutsche KMU-Site mit englischer Variante, die niemand braucht, ist Doppel-Pflege ohne Gegenwert. Wenn doch nötig: Maschinenübersetzung als Rohfassung, dann manuelle Endlektur durch jemanden, der die Zielsprache als Muttersprache spricht — nie umgekehrt.

Das regeln wir — so sieht das bei uns aus.

Unsicher, wo deine Seite steht? Frag Hannes — er schaut sie sich an und sagt dir ehrlich, was zu holen ist.